TRAXA MAGAZIN · BOLIVIEN 2024
Mit dem alten Diesel
durchs Hochland
Verlassene Täler, Nationalparks und tagelange Etappen über 3’000 Metern.Bolivien ist ein Land der Extreme. Innerhalb weniger Tage wechselten rote Felstäler, dunkle Hochplateaus, tiefe Schluchten und stille Lagunen einander ab.
Viele Abschnitte lagen dauerhaft über 3’000 Metern. Wir wachten in dünner Luft auf, kochten langsamer und merkten bei jeder Steigung, dass nicht nur wir weniger Sauerstoff bekamen.
Auch der alte Saugdiesel unseres Land Cruisers musste arbeiten. Wo er unten im Tal ruhig zog, wurde jeder Anstieg im Hochland zu einer Übung in Geduld.

DÜNNE LUFT, EHRLICHE TECHNIK
Wenn der Motor genauso atmet wie wir
In der Höhe fehlt einem alten Dieselmotor spürbar Luft. Die Leistung nahm ab, die Abgastemperatur verlangte Aufmerksamkeit und Überholen wurde zu einer theoretischen Idee. Wir schalteten früh zurück, liessen dem Motor Zeit und akzeptierten, dass Bolivien sein eigenes Tempo vorgibt.
Gerade dort zeigte sich der Wert einfacher Technik. Keine komplizierte Elektronik, dafür ein Motor, dessen Geräusche wir kannten, und ein Fahrzeug, das uns langsam, aber zuverlässig weitertrug.


LANDSCHAFTEN OHNE ENDE
Von roten Tälern bis an den Rand der Schlucht
Unsere Route führte durch verschiedene Nationalparks und Regionen, die sich kaum vergleichen liessen. In einem Tal leuchteten die Felsen rot und orange, wenige Stunden später standen wir in einer kargen, fast schwarzen Bergwelt. Dazwischen lagen Dörfer, Lagunen und lange Pisten ohne Gegenverkehr.
Manchmal führte eine unscheinbare Abzweigung zu einem Aussichtspunkt über einer gewaltigen Schlucht. Ein anderes Mal endete der vermeintliche Weg auf einer ausgewaschenen Terrasse. Karte, Blick ins Gelände und ein gesundes Misstrauen gegenüber der errechneten Fahrzeit gehörten zusammen.

DIE PASSAGE AM ABEND
Wasser, Sand und wenig Tageslicht
Eine der intensivsten Passagen wartete kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Der Weg kreuzte einen breiten, sandigen Flusslauf. Der Wasserstand war nicht dramatisch, doch unter der Oberfläche wechselten fester Grund und weicher Sand. Mit reduziertem Reifendruck, ruhiger Linie und gleichmässigem Zug kam der Land Cruiser durch.
Am anderen Ufer war das Licht fast weg. Der Motor lief noch einige Minuten im Leerlauf, während wir nur dastanden und dem Wasser zuhörten. Solche unspektakulären Minuten sind oft die stärksten einer Reise.


